160. Waldfest am 28.12.2025
Festrede von Manfred Rings (1. Vorsitzender Heimatverein Hardenburg e.V.)
Sehr geehrte Damen und Herren,
bevor ich mit dem Vortrag beginne, möchte ich mich bei dem ausgewiesenen Kenner der örtlichen Geschichte, Herrn Harald Buchert, für die Unterstützung bei der Recherche sehr herzlich bedanken. Als weitere Erkenntnisquelle leistete mir das Hardenburg Buch von Hans Zachert wertvolle Hinweise. Ebenso diverse Artikel von Georg Feldmann in den Amtsblättern der Stadt.

Den Vortrag widme ich dem Heimatverein zu seinem 90 jährigen Jubiläum

Der Wald als Lebensgrundlage und die Gaststätten als sozialer Knoten
Was bedeuten Gaststätten wirklich?
Ganz allgemein betrachtet sind Gaststätten nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern haben darüber hinaus eine hohe Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ‑eine Art soziales Bindegewebe- und natürlich auch für die Attraktivität des Dorfes. Im ländlichen Raum sind und waren viele Gastbetriebe mit einem Festsaal oder mit einer Kegelbahn ausgestattet. Auch die Kombination mit Pension- und Hotelbetrieb sind und waren bei uns weit verbreitet.
Eine Dorfkneipe diente nicht nur zum Essen und Trinken , sie war und ist eine Nachrichtenbörse, ein sozialer Knotenpunkt und ein Barometer für das Wohlergehen des Dorfes. Die Veränderung des Konsumverhaltens aufgrund eines Wandels des Freizeit- und Kommunikationsverhaltens (inklusive der Konkurrenz durch Fernsehen, Internet, Smartphones und den sportlichen Aktivitäten) sowie der Arbeits- und Wohnverhältnisse, stellen die Altbetriebe vor große Herausforderungen. Die Ansprüche der Gäste an Angebotsbreite, ‑tiefe und ‑qualität sowie Platzangebot und Raumgestaltung sind sehr groß geworden. Im Gegensatz dazu sind aktuell die Pfälzerwald Hütten ein Besuchermagnet in unserer Region. Die Verbindung mit sportlicher Aktivität ‑sprich Wandern- und das rustikale Ambiente sowie die preisgünstige Verpflegung am „Zielort“ locken sehr viele Familien und mittwochs auch die Rentner an. Eine Bevölkerungsbefragung zeigte aber auch, dass eine deutliche Mehrheit der Befragten die Beiträge des Gastgewerbes zum sozialen Zusammenhalt erkennt, diese würdigt und wertschätzt. Gut so für unsere heutigen Gastronomen.

Die frühen Jahre ‑Gaststätten für Durchreisende (1464 bis 1797)
Erst mit der Erteilung der Schutzvogtei über das Kloster Limburg kamen die Leininger 1205 in unsere Region und begannen mit dem Burgbau der Hartenburg, Als die Hartenburg 1317/18 Residenz der Grafen von Leiningen-Hartenburg wurde, wuchs nochmals der Bedarf an Arbeitskräften — Fuhrleute, Kutscher, Botengänger, Treiber für die Jagd sowie Steinbruch- und Bauarbeiter an, die sich mit ihren Familien unter der Burg ansiedelten. Um 1480 wurde damit begonnen, die Hartenburg zur mächtigen Schloss- und Festungsanlage auszubauen. Dieses Projekt, das sich über mehrere Generationen bis etwa um 1580 hinzog, sorgte dafür, dass sich im Tal noch mehr „Fach- und Hilfskräfte“ niederließen. Den Bewohnern gewährte der Graf von Leiningen damals in einem sogenannten Weistum – einer Bestätigung bestehender, meist althergebrachter Rechte – unter anderem auch ihre Rechte zur Waldnutzung. Im Gegenzug mussten sie dem Grafen Frondienste leisten.
Einen der wichtigsten Verkehrsverbindung durch den Pfälzerwald verlief durch das Isenachtal. Hier besaßen die Leininger Grafen Geleitrechte. Sie durften Chaussee-Geld kassieren und mussten im Gegenzug dafür die Sicherheit der Durchreisenden gewährleisten und die Wege in Ordnung halten.
Im Leiningen-Hartenburger Weistum wird auch eine Bannmühle um 1460 erwähnt, die am Fuße der Hartenburg, heutiges Sägewerk Karl Becker, errichtet war. Dies bedeutete, dass die Leininger Orte Leistadt, Herxheim a.B. und Weisenheim a.B. ihr Getreide in Hardenburg mahlen lassen mussten.

Der Fuhr-Verkehr und die fliegenden Händler stellte für die Bevölkerung somit einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Infolge dessen entstand 1464, urkundlich erwähnt, ein „Wirtshaus im Tal“, leider ohne den konkreten Hinweis auf den Standort.

Die erste Hardenburger Gaststätte „Grüner Baum“ , die 1646 eröffnete und bis zum Abbrand 1916 auf fast 300 Jahre Wirtschaftsbetrieb zurück blickte; ist bis heute unerreicht. Was hat dieser Ort nicht alles erlebt. Welche Schicksale und Ereignisse spielten sich wohl in diesem Gasthaus ab. Vor allem aber kann man davon ausgehen, dass der Grüne Baum für Generationen ein wichtiger Anlaufpunkt über die Jahrhunderte wurde.
Als Standort konnte die heutige evangelische Kirche festgemacht werden. Bis zur Eröffnung der nächsten Gasstätte „Zum Hirsch“ im Jahr 1797 ist viel mit den Leuten im Tal, so die alte Bezeichnung für diese Bewohner, passiert. Nach dem Bauernkrieg 1525 gab es in Folge den 30 jährigen Krieg, den Niederländischen (Holländischen) Erbfolgekrieg, den Reunionskrieg, den Pfälzischen Erbfolgekrieg sowie den Spanischen Erbfolgekrieg. Das bedeutete, dass zwischen 1618 bis 1714 eine äußerst schwierige Zeit für die Bewohner vorlag. Nur mithilfe des Waldes konnten die verbliebenen Bewohner überleben.

Der Wald lieferte Bau- und Brennholz, Viehfutter, Streusel für den Stall ‑der später als Mist auf die Äcker gebracht wurde‑, Essbares wie Bucheckern, Esskastanien, Pilze, Heidelbeeren, sauberes Trinkwasser und diente als Waldweide. Bei Plünderungsgefahr konnten sich die Menschen mit ihrem Vieh im Wald verstecken.
Man geht davon aus, dass nur etwa 20% der Bevölkerung in der Grafschaft Leiningen und in der Kurpfalz diese Krisenzeit überlebt haben. Mit der Aufnahme von Glaubensflüchtlingen aus der Schweiz, Tirol, Frankreich und den Niederlanden holte man „frisches Blut“ ins Land. Die Leininger Grafen Johann Friedrich (1661–1721) und Friedrich Magnus (1703–1756) ließen u.a. die Waldsiedlungen Weilacher Hof (1381–1790), den Stüterhof ( 1516- 1818) und den Pfaffenthaler Hof (1727 ‑1797) neu anlegen bzw. erweitern.

Die landwirtschaftliche Nutzung war eine mühselige Arbeit auf den ertragsarmen und sandigen Böden. Die Waldnutzung war und blieb ein wichtiger Bestandteil für den Lebensunterhalt in den Waldsiedlungen und im Dorf.
Zudem förderten die Grafen aus wirtschaftlichen Gründen die Ansiedlung von Industrie im Isenachtal, um u. a. die Auswanderung, der nach Arbeit suchenden Leute, zu stoppen.

Hierzu wurde die Wasserkraft der Isenach zum Betrieb der Mühlen nutzbar gemacht. Jeder, der ein Gewerbebetrieb beginnen wollte, musste sich die Zustimmung des Grafen einholen. Dieser ließ dann einen Erbstandsbrief mit allen Anforderungen und Bedingungen erstellen.

1675 entstand eine Pulvermühle auf dem ehem. Buchertschen Gelände, 1704 das Große Hammerwerk auf dem heutigen Wohngebiet „Unter der Hardenburg“, 1707 die Piccard Bordmühle ‑heute: Restaurant 7 Raben‑, 1708 im Kirschtal eine Glashütte. Unter der Burg entstand 1717 kurzzeitig eine Porzellanfabrik. Im Jahr 1731 folgte eine Schmelzhütte ‑heute: Die Alte Schmelz‑, 1735 wurde die Pulvermühle durch das Kleine Hammerwerk ersetzt und 1737 eine Papierfabrik (heute: LENK paper Schleipen GmbH) gebaut. Durch diese strukturellen und wirtschaftlichen Maßnahmen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts expandierte die Bevölkerung. Von 90 Bewohner am Ende des 30 jähriger Krieg auf 240 Bewohner im Jahr 1744.
Schon 1690 belegt die Erwähnung eines Schultheißens die Existenz einer Gemeinde mit dem Namen Hardenburg. Der erste Bürgermeister wird 1738 in den Dokumenten erwähnt.

Mit dem regelmäßigen Postkutschendienst ab 1739 zwischen Frankfurt/M. über Mannheim nach Metz durchs Isenachtal folgte die nächste Stärkung der Infrastruktur.
Mit dem Krieg zwischen dem revolutionären Frankreich und einer Koalition europäischer Staaten unter der Führung Österreich und Preußen, kamen im Februar 1793 die französischen Revolutionstruppen nach Dürkheim. Der Fürst zu Leiningen flüchtete daraufhin mit seiner Familie nach Mannheim. Mit dem Friedensabkommen von 1797 wurde die linksrheinische Pfalz de facto Französisch. Danach trat eine „Konsolidierung“ der Verhältnisse ein.

In dieser Gemengelage wird 1797 das Gasthaus und Pension „Zum Hirsch“ eröffnet.
Eine Kernbotschaft können wir somit ableiten. Wo Gaststätten entstehen oder über Jahrzehnte bestehen, ist Frieden und eine gute wirtschaftliche Entwicklung absehbar. Die Gaststätten waren in Hardenburg ein wichtiger Hinweis darauf, wie gut oder wie schlecht es der Bevölkerung insgesamt ging.
Die Blütezeit ‑als Hardenburg wuchs (1797 bis 1914)

Ein Zeichen für Frieden war die Neueröffnung der Gaststätte „Zum Hirsch“. Ein Symbol für einen Neuanfang unter dem Code Civil, ein Gesetzbuch, das Napoleon Bonaparte 1804 geschaffen hat. Im Okt.1804 kam Kaiser Napoleon bei seiner Reise von Frankenthal nach Kaiserslautern auch durch Hardenburg.
Im Friedensvertrag von 1801 wurden alle linksrheinischen Gebiete Frankreich zugesprochen. Nach der administrativen Neuordnung gehörte der Kanton Dürkheim zum Département Donnersberg mit Sitz in Mainz. Das Leiningen-Hartenburger Fürstenhaus wurde, wie sie sicherlich wissen, im Odenwald mit den ehemaligen Güter des säkularisierten Klosters Amorbach von Napoleon entschädigt. Sämtliche Besitztümer von Adel und Kirche wurden damals zugunsten der französischen Staatskasse versteigert, auch die Ruine Hartenburg. Die Hardenburger konnten aber ihre Waldrechte einigermaßen ungestört weiter ausüben. Da Frankreich 1800 die allgemeine Wehrpflicht eingeführte, mussten die wehrfähigen Männer aus Dürkheim und Hardenburg für Napoleon in den Krieg ziehen. Bei der letzten großen Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 verlor Napoleon endgültig gegen seine Hauptgegner und musste abdanken.
Mit dem Wiener Kongress 1814/1815 ‑unter Führung von Klemens Fürst von Metternich (1773–1859)- wurde Europa neu aufgeteilt und die Pfalz wurde Bayern zugeschlagen. Trotz des Hungerjahrs 1816, das durch einen großen Vulkanausbruch in Indonesien ausgelöst wurde, schritt die wirtschaftliche Entwicklung weiter voran, auch in Hardenburg.

Die Waldgaststätte „Alte Schmelz“ eröffnete 1820 ihren Schrankbetrieb. Die Arbeiter und die Fuhrleute waren froh über einen neuen Treffpunkt im Tal.

Die Anzahl der benötigten Arbeitskräfte stieg mit der Aufnahme der Papierproduktion in der Papierfabrik Cordier im Jahr 1826 weiter an. Wie im Hardenburger Buch von Hans Zachert aufgeführt lebten um 1820, insgesamt 310 Personen in Hardenburg.
Während der französischen Zeit hatte man sich in der Pfalz an liberalere Verhältnisse „gewöhnt“, die Bayern im Grundsatz beizubehalten versprochen hatte. Angesichts der offensichtlichen Notstände nahmen sich die „Liberalen“ auch der Probleme der Bevölkerung an. Mit dem Presse- und Zeitungswesen entstand ein Verbreitungssystem, mit dessen Hilfe man dem Unmut durch Veröffentlichung entsprechender Artikel auch Ausdruck und Nachdruck verleihen konnte.

Am 27. Mai 1832 fand – trotz eines entsprechenden Verbotes – das „Hambacher Fest“ mit etwa 25.000 Teilnehmern statt. Anführer der Dürkheimer Winzer war Johannes Fitz (1796–1868). Die Ursachen für das Hambacher Fest lagen aber nicht nur in der schwierigen wirtschaftlichen Situation. Vielmehr verband man politische Forderungen nach mehr Freiheit und Gerechtigkeit damit.
In Hardenburg kam es 1838 zu großen Streitigkeiten mit den staatlichen Forstbeamten um die Nutzung der Waldrechte. Infolge dessen die Hardenburger Bürger ab Januar 1839 die Waldrechte verloren. Erst 1851 konnte die eingereichte Klage gegen den bayerischen Staat endgültig gerichtlich geklärt werden, und die Hardenburger ihre Waldrechte wieder nutzen. Es dauerte bis 1865, um gerichtlich die Entschädigungssumme zu erstreiten.

Umso erstaunlicher ist es, dass trotz der wirtschaftlich und sozial prekären Verhältnisse die 81 Hardenburger Familien im Jahr 1865 beschlossen, sich das ihnen zustehende Geld nicht auszahlen zu lassen, sondern es der Gemeinde für strukturelle Verbesserungen zur Verfügung zu stellen.
Die bayerische Verwaltung hat trotz der erheblichen Einschränkungen die Erschließung neuer landwirtschaftlicher Flächen am Wintersberg und in der Betteldelle, zur Pacht von Parzellen an Bürgern, auf den Weg gebracht (Oberes und Unteres Gaistal, Friedhofsweg, Klaustal).
Die bekannten leiningischen Waldsiedelungen waren in dieser Zeit bereits verschwunden. Außer der Bewirtschaftung der Ackerfläche um das Hofgut Weilach, das 1790 durch „Räuberbanden“ zerstört und nicht mehr aufgebaut wurde, sowie das bereits 1797 aufgelassene Pfaffentaler Hofgut waren nicht mehr vorhanden. Auch die Siedlung Stüterhof, deren letzten Bewohner 1818 von der bayerischen Verwaltung zwangsgeräumt wurde, verschwand.
In allen Notzeiten waren aber auch die landwirtschaftlichen Flächen für viele Familien überlebensnotwendig. Ohne die Wintervorräte, aus den „Gemüsegärten“ mit Obst, Kartoffeln, Getreide und Gemüse (Weiß- u. Rotkohl, Möhren usw.) wäre noch größerer Hunger die Folge gewesen.

Noch heute kann man rund um Hardenburg die Sandsteinmauern, die die Hangflächen in sog. Schemel unterteilten, noch erkennen. Die Natur hat mittlerweile fast alle Flächen wieder erobert.

Geographisch und geologisch bedingt war der Beruf der Steinmetze/ Steinhauer in Hardenburg ein nachgefragtes Handwerk. Steinhauer war ein Beruf, der ein hohes Ansehen genoss. Mit dem ersten bekannten Steinbruch am Schlossberg wurde das Hardenburger Forsthaus 1856 gebaut. Seit 1996 dient das Gebäude als Sitz des Forstamtes Bad Dürkheim.
Ab 1860 kamen weitere Steinbrüche dazu, die soweit abgebaut wurden, dass Ende des 19. Jahrhunderts Häuser in die frei gewordenen Fläche gebaut werden konnten.

Beginnend vom westlichen Rand Hardenburgs bei Familie Schmidt/Exner, den Bereich links und rechts der ehem. Bäckerei Georg Ritter, am Eingang zum Oberen Gaistal , im Oberen Gaistal und am Eingang zum Unteren Gaistal lagen die „Abruchstellen“. Der Sandstein Bedarf am Anfang des 20. Jahrhunderts war sehr groß. Insbesondere in den aufblühenden Städten Ludwigshafen, Mannheim, Speyer und Landau (1920, Sparkasse mit Sandsteinen aus Hardenburg) gab es eine rege Nachfrage.

Im Steinbruch Unteres Gaistal kam es 1892 zu einem heftigen Felssturz bei dem fünf Steinhauer ums Leben kamen.

Zu deren Gedenken erinnert eine Grabstele auf dem Hardenburger Friedhof daran.

In den Wintermonaten wurde nach Möglichkeit im Wald gearbeitet, da die Arbeit im Steinbruch ruhte und somit kein Lohn in die Familienkasse kam. Die letzte bekannte Steinbruchs Arbeit im „Steinbruch Karch“ erfolgte 1965 mit der Herstellung des Altars für die neue kath. Kirche von Oskar Schmidt.

Am Rastplatz „Herrenbrunnen“ in der Seilerbahn ist der ehem. Altar als „Steintisch“ heute zu bewundern.
Eine weitere Papierfabrik, die Obere Papiermühle ‑der Standort wird heute im Sprachgebrauch als „Rote Häuser“ bezeichnet‑, wurde 1841 in die „Untere Papiermühle“ (Schleipen) eingegliedert. Eine Bordmühle neben der Alten Schmelz wurde 1854 errichtet, da es weiteren Bedarf an Holzbrettern in der Region gab.
Mit dem Deutsch-Französische Krieg von 1870/71, dessen Auslöser war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die spanische Thronkandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, herrschte wieder Unruhe im Land. Die wirtschaftliche Entwicklung im Isenachtal blieb jedoch nicht stehen und eine weitere Sägemühle, das Sägewerk „Assel“, nahm 1874 ihren Betrieb auf. Mit dem erhöhten Bedarf an Arbeitskräften in den Mühlen und bei der Holzabfuhr kam es auch dazu, dass ein kleiner Ausschank „Zum Saupferch“ 1885 eröffnete.

Einige Jahre später kamen das Forsthaus Weilach (ab 1887 bis 1996) und das Forsthaus Kehrdichannichts (um 1890 bis 1990; erbaut ab 1707) dazu. Drei neue Wirtshäuser innerhalb weniger Jahre – es waren wirtschaftlich gute Zeiten in Hardenburg.

Die Nachfrage nach Einkehrmöglichkeiten war ungebrochen groß, so dass die Gaststätte „Zur Hardenburg“ um 1890,

die Gaststätte „Zur Linde“ und die Gaststätte „Zum Brunnen“ um 1900 eröffnen konnten. Der „Brunnen“ zog schon 1915 auf die gegenüberliegende Straßenseite in einen Neubau ein.

Die hohe Gasthausdichte ist einerseits den sehr vielen Fuhrleuten und Durchreisenden als auch der wachsenden Einwohnerzahl, mit ca. 630 Personen, im Dorf geschuldet. Die Wirtshäuser waren neben der 1867 eingerichteten Waschküche ein wichtiger sozialer Treffpunkt im Gemeindeleben.
Ebenso die beiden Straußwirtschaften Hammergret (um 1910 bis 1938; beim ehem. Sägewerk Buchert) und die Straußwirtschaft Adam Berger (um 1920 bis 1950; heute Haus der Fam. Kiechle).

Der hierfür benötigte Wein, meist Rotwein, kam vom Wintersberg. Der Anbau erfolgte dort bereits ab dem 16. Jahrhundert. Dokumentiert in einem Briefwechsel des Grafen zu Leiningen mit dem Limburger Abt von 1542. Der Graf beschwerte sich über die seit längerem ausstehenden Lieferungen von Stallmist für die Weinberge. Der Rotwein war sehr gehaltvoll und farbintensiv, aber die Erträge auf Grund der Bodenverhältnisse leider sehr gering. Des Weiteren war die Zuwegung in der mechanisierten Zeit sehr schwierig und nicht für größere Bearbeitungsgeräte geeignet. Frisörmeister Dieter Wolf gab den letzten verbliebenen Weinberg auf dem Wintersberg um 1978 auf.

Das Vereinsleben in Hardenburg begann mit der Gründung eines Arbeiter-Gesangsvereins 1866. Die dazugehörige Vereinsfahne stammt aus dem Jahr 1889! Der Sängerbund folgte als bürgerlicher Gesangsverein 1925. Beide Fahne von 1889 und 1929 sind im Stadtmuseum in Bad Dürkheim seit Juni 2024 fachgerecht, bis zum nächsten „Einsatz“, eingelagert.

Im Hardenburger Buch von Hans Zachert sind auch Grußpostkarten aus Hardenburg mit Poststempel von 1898 abgebildet, die zeigen, dass bereits zu dieser Zeit eine kleine touristische Belebung in Hardenburg einsetzte.

Es ist belegt, dass der bekannte Jugend- und Reiseschriftsteller Karl May 1897 im Hirsch übernachtete. In einer Zeitungsanzeige von Hermann Schmid, Gasthaus und Pension „Zum Hirsch“, wird 1903 für den Luftkurort Hardenburg Werbung gemacht.

Die Gaststätten als sozialer Kit
In der Hochphase um 1910 gab es 7 Gaststätten und 1 Straußwirtschaft für 696 Hardenburger Bürger. So eine hohe Konzentration an Gaststätten in so einem kleinen Dorf, aus heutiger Sicht unvorstellbar. Die Hardenburger müssen sehr gesellige Bürger gewesen sein, die gerne ihre knappe Freizeit in den Gastwirtschaften verbrachten. Einige Bürger sollen sich gelegentlich ihren Frust über den beschwerlichen Alltag abends hinter die Binde gossen haben, oder ihren Taglohn „flüssig“ gemacht haben. Denn ein Arbeitstag war zwischen 10 bis 12 Stunden lang. Nicht zu vergessen die sehr vielen Fuhrleute die durch das Isenachtal mussten. Es wird berichtet, dass die Pferde den Heimweg manchmal besser kannten als der Kutscher, der stark angetrunken auf dem Bock saß.
Die Säle in den Gaststätten „Zur Linde“ und „Zur Hardenburg“ waren wertvolle Räumlichkeiten um Hochzeiten und Feste feiern zu können. Unter der Woche nutzte der 1906 gegründete Allgemeine Sportverein (ASV) die Säle für die Turnstunden, der Gesangsverein für seine Gesangsstunden. In den Mittags- und Abendstunden kehrten die Fuhrleute und die „Arbeiter“ ein. Der Fremdenverkehr hingegen war immer noch ein zartes „Pflänzchen“. Gaststätten hatten vor allem Arbeiter und Einwohner zu Gast, auch das spricht für die soziale Bedeutung dieser Orte für das Gemeinwesen.
Mit der 1865 eröffneten Eisenbahnverbindung von Neustadt nach Dürkheim und mit der 1913 folgenden Straßenbahn von Mannheim nach Bad Dürkheim ‑Bad seit 1904- war die Region nun besser vernetzt.

Das kulturelle Leben wurde mit der Gründung der „Sommerfestspiele Bad Dürkheim, Limburg und Hardenburg“ durch Rosa Maas im Jahr 1909 aus dem Dornröschenschlaf gerissen und die alte Tradition der Theateraufführungen der Grafen zu Leiningen im 18.Jahrhundert fortgesetzt. Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus wurde von 1936 bis 1939 ebenfalls Theaterstücke auf der Hardenburg aufgeführt.

Mit einem Kiosk in der Finkendelle (bis 1962) und einer Sommerwirtschaft auf dem Lindenplatz, heutige Lindenklause (bis 2024), wurden die Theater-Besucher und Wanderer „verpflegt“. Der Lindenplatz wurde auch zur Ausübung von Leichtathletikdisziplinen vom ASV und der Volksschule genutzt.

Die Werbeanzeige der Hardenburger Gastronomen von 1937 zeigt eindrucksvoll das gastronomische Angebot.
Mit dem Beginn der Elektrifizierung Anfang des 20. Jahrhunderts veränderte sich auch die Industrielandschaft. Aus der ehemaligen Bannmühle von 1460, die mittlerweile zu einer Holzsägemühle, heutiges Sägewerk Karl Becker, umgebaut wurde, folgte um 1910 die Umstellung auf elektrische Energie, die durch eine mit Wasserkraft angetrieben Turbine erzeugt wurde. Mit Münzzählern für den Strombezug konnten sich Privatleute Strom vom Sägewerk kaufen.

Sobald das Geld aufgebraucht war wurde es „Dunkel“ im Haus. Falls noch Geld vorhanden war, konnte man den Zähler wieder „füttern“, andernfalls musst man sich mit Kerzenlicht begnügen. Das öffentliche Stromnetz kam erst um 1930.

Der „Leininger Hof“, ein Hotel und Weinhaus, eröffnete 1911 seinen Betrieb. Erst nach dem 2. Weltkrieg sollten weitere Gasthäuser eröffnet werden.
Waldrechte und Überlebensort in Notzeiten
Wie lebenswichtig die Wiedererlangung der Waldrechte war, zeigt sich wieder deutlich in den folgenden Notzeiten von 1914 bis etwa 1960. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges (1914–1918) wurde die Versorgungslage mit Nahrungsmitteln bereits ab dem Jahr 1915 in Deutschland so schlecht, dass Lebensmittelkarten eingeführt werden mussten.

Die Männer, die im Krieg waren, fehlten zuhause bei der täglichen Arbeit, Frauen und Kinder mussten die Arbeit teilweise übernehmen.
Von 1918 bis 1930 war die Pfalz allerdings eine französische Besatzungszone. Frankreich ließ in der Pfalz sehr viele Wälder als Reparationsleistungen abholzen. Die wirtschaftliche und politische Krise der Nachkriegszeit führte im Jahr 1923 zu einer enormen Geldinflation. Städte, Bezirke und Firmen stellten Notgeldscheine aus. 1929 kam es zur Weltwirtschaftskrise. In den folgenden Jahren gab es über 6 Millionen Arbeitslose. Dies begünstigte die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933.

Das Vereinsleben wurde 1935 mit dem neu gegründeten Heimatverein Hardenburg ‑früher Heimat- und Verkehrsverein Hardenburg- bereichert, der als Vereinszweck die Förderung von Kultur, Heimatpflege und Heimatkunde sowie das traditionelle Brauchtum in seiner Satzung festgeschrieben hat. Unser Verein kümmert sich somit seit 90 Jahren um diese Aufgaben.
Auch im Zweiten Weltkrieg wurden wieder Lebensmittelmarken benötigt. In diesen schlimmen Zeiten waren für die Hardenburger die Nutzung ihrer Wald- und Weiderechte wieder einmal überlebenswichtig. Dem Kriegsende folgte zu aller Not 1946/1947 der kälteste Winter des 20. Jahrhunderts in Deutschland mit bis zu ‑25 Grad Celsius ‑ein Hungerwinter-.
Ohne den Wald, die Gemüsegärten und die Dorf-Gemeinschaft wäre niemand durchgekommen. Die Gaststätten waren hilfreich als ein Ort, wo man sich half, austauschte und organisierte. Ein unverzichtbarer Ort für die Bewohner und Gäste.
In der Folgezeit kamen Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands auch nach Hardenburg und ließen sich hier nieder. Auch in den Jahren danach blieb die Waldnutzung noch wichtiger Bestandteil der Versorgung für die Bevölkerung.

Die Familien ließen ihr Holz meist von Hardenburger Fuhrleuten mit Pferdefuhrwerken aus dem Wald holen und anschließend auf einer mobilen/fahrbaren Sägemaschine zuschneiden.

Als wirtschaftlich segensreich für Hardenburg erwies es sich, dass mit der Firma Buchert ein großer holzverarbeitender Betrieb direkt am Ort ansässig war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 stellte der Betrieb zunächst Holzbaracken und Holzhäuser her.

Nach einem Großbrand 1953 stellte man die Produktion auf die Herstellung von Holztüren um. Die Firma bot damals Arbeitsplätze für 300 Personen (Männer und Frauen, darunter viele Hardenburger und etwa 30 Gastarbeiter, insbesondere Österreicher, Spanier und Portugiesen. Weitere Arbeitsplätze gab es bei den Papierfabriken Schleipen

und Cordier, den Sägewerken Becker und Assel sowie

bei der Kaiserdeckenproduktion am ehem. „Großen Hammerwerk“.
Eine wirtschaftliche Blütezeit in Hardenburg.

Der Aufschwung in den 50er Jahren zeigte sich auch mit der Eröffnung der Gaststätte „Waldschlöss‘l“ 1954 und der Gaststätte „Zum Schwalbennest“ 1959. Mit der Besiedlung vom Eichenplatz wurde Wohnraum für die wachsende Bevölkerung geschaffen, der im engen Dorfkern nicht mehr möglich war.

Die kath. St. Konradskapelle am Schlossberg wurde zu klein, sodass 1965 das Bistum Speyer die katholische Kirche St. Elisabeth errichtete, die bis 2013 den Menschen als Gotteshaus diente. Die protestantische Kirche war bereits 1952 gebaut worden.

Der Wunsch der Hardenburger, das Theaterspiel wieder aufleben zu lassen, blieb stets bei der Bevölkerung bestehen. Mit Hilfe einer Interessengemeinschaft vom Landkreis Neustadt/W., der Stadt Bad Dürkheim und der Gemeinde Hardenburg sind die Voraussetzungen dafür auf der Burganlage geschaffen worden. Am 01.06.1952 glückte die 1. Premierenveranstaltung mit „Hamlet“ von William Shakespeare aufgeführt vom Pfalztheater Kaiserslautern. Eine neu gegründete Laienspielgruppe des Hardenburger Heimat- und Verkehrsverein unter der Leitung des Volksschullehrers Hans Zachert führten ab 1954 bis 1964 in der Sommerzeit erfolgreich die einstudierten Theaterstücke auf. Das halbe Dorf engagierte sich mit ehrenamtlichen Einsatz für ein Gelingen der Veranstaltungen. Der Zusammenhalt in der Schauspielgruppe bröckelte Anfang der 60er Jahre langsam auseinander, der fehlende Nachwuchs und ein verändertes Freizeitverhalten war hierbei ein Problem. Ein Wiederbelebungs-versuch 1972 durch den ehem. Bgm. Alfred Heu blieb leider erfolglos.
Die Vereinswelt in Hardenburg wird seit 1958 mit dem neu gegründetem Vogelschutzverein Hardenburg erweitert, der den Bürgern das Verständnis unserer Tier- und Pflanzenwelt vermittelt.

Das große Sterben
Die gesellschaftlichen Veränderungen setzen, wie wir schon gehört haben, schleichend ein. Und die Gaststätten waren dafür ein Lackmustest.
Ein erstes Warnsignal für Hardenburg war mit der Schließung der Gasstätte „Zur Hardenburg“ 1959 zu vermerken. Dann fallen sie wie Dominosteine: die Linde 1975 , das Schwalbennest 1986, der Leininger Hof 1988, der Hirsch 1990 und der Brunnen 2007, die letzte Gaststätte im Dorfkern. Wer von Ihnen erinnert sich noch an den Brunnen? Wer hat Eltern/Großeltern, die in einer der genannten Gaststätten gefeiert haben?
Parallel einher gingen die Schließung von Bäckerei, Metzgerei und Kolonialwarenläden. Als letztes Geschäft schloss 2007 Frau Irene Koch ihren Tante Emma Laden. Ein weiteres Stück Heimat fand damit sein Ende.
Immer mehr Bürger mussten ihren Lebensunterhalt andernorts verdienen – eine bis heute nicht mehr umkehrbare Entwicklung. Hardenburg hat sich zwischenzeitlich immer mehr zu einer reinen „Schlafstätte“ für die Bewohner entwickelt! Das Dorf droht auseinanderzufallen.

Die Welt drehte sich in den 60/70 er Jahren sehr schnell.
Ab den 1960er Jahren ging die Bedeutung von Brennholz für den Hausbrand mit dem Aufkommen von Öl- und Gasöfen sehr stark zurück, ebenso die Weidenutzung zur Viehhaltung, meist Ziegen und die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Parzellen, die Gemüsegärten. Ich erinnere mich, dass Ende der 80er Jahre Familie Walther den letzten bepflanzten Gemüsegarten in Hardenburg ‑neben dem Anwesen Plechinger- aufgaben.
Kaum ein Jahrzehnt hat Deutschland so sehr geprägt wie die 60er Jahre. Viele von Ihnen im Saal, so wie ich, waren dabei und können sich sicherlich noch gut daran erinnern.
Anti-Babypille, Beatles

und Hippies ‑die 60ies waren eine Zeit der Unruhe, des Auf- und Umbruchs und der Veränderung ‑ohne jedoch immer zu wissen, warum und wohin Veränderung eigentlich hinführen sollte-. Diese Stimmung ‑Wandel um jeden Preis- zeigte sich auch in einer Art modischer und kultureller Revolution. Die konservative Gesellschaftsordnung sowie die als prüde empfundenen Moralvorstellungen der 50er Jahre hatten ausgedient. So kämpfte die Jugend für politische, soziale und sexuelle Freiheit. Mit Protestsongs sangen u.a. die Beatles gegen das Establishment. Mehr denn je wurde Individualität schon damals zu einem Wert. 1968 war es soweit –die Protestwelle kam weltweit zu einem Höhepunkt: Studentinnen und Studenten gingen gegen den Vietnamkrieg, die rigide Sexualmoral und den nicht aufgearbeiteten Nationalsozialismus auf die Straße. Eine Folge dieser Zeit ist, dass alleinerziehende Eltern immer mehr zur Regelfamilie werden und insbesondere alleinstehende Frauen im Alter von Altersarmut betroffen sind. Das Ideal der kleinbürgerlichen Familie hingegen erfährt heute einen zweiten Frühling. Die Sinus-Jugendstudie 2024 zeigt, dass traditionelle Werte wie Familie, Sicherheit und Geborgenheit für Jugendliche mittlerweile von großer Bedeutung sind. Viele streben nach einer “bürgerlichen Normalbiografie” mit fester Partnerschaft, Kindern, eigenem Haus und sicherem Job.
Immer mehr Hardenburger Bürger hatten ein Telefon, ein Fernseher, ein Auto, die die althergebrachte Wirtshauskultur veränderte sich langsam aber sicher. Mehr Individualisierung statt Gemeinschaft war auch in Hardenburg angesagt.

Mit der Verwaltungsreform von 1969 kam Hardenburg als einer von fünf Ortsbezirken zur Stadt Bad Dürkheim. Aus heutiger Sicht eine gute Entscheidung, da die wirtschaftliche und finanzielle Situation des Dorfes ihren Höhepunkt bereits überschritten hatte. Viele Bürger sahen damals diesen Sachverhalt allerdings anders. Die meisten Arbeitsplätze sind in der Zwischenzeit verloren gegangen. Es begann mit der Kaiserdeckenproduktion, die 1965 in Hardenburg ihren Betrieb eingestellt hat, es folgte die Türfabrik Buchert, die 1975 schloss, das Sägewerk Assel später Ebling 2010, in jüngster Zeit die Papierfabrik Cordier, die 2023 die Produktion einstellte.
Heute sind nur noch zwei Produktionsbetrieb in Hardenburg, die Papierfabrik „LENK paper Schleipen GmbH“ und das Sägewerk „Karl Becker“ vorhanden.
Wie die bisherige Geschichte Hardenburgs eindrucksvoll gezeigt hat, blühten Dorfgemeinschaft und Gaststätten besonders dann auf, wenn die Dorfbewohner heimatnah auch Arbeit hatten. Die heute selbstverständliche Trennung von Arbeit und Wohnen wirkt sich offenbar auch auf das soziale Gefüge einer Dorfgemeinschaft aus.
Was haben wir verloren – und was können wir lernen

Die Geschichte zeigt uns immer wieder, dass Krieg und Gewalt alles in kurzer Zeit, was Generationen aufgebaut haben, vernichtet. Die Folgen des Angriffskrieg Russland auf die Ukraine bringen uns seit 4 Jahren fast täglich solche Bilder ins Wohnzimmer.
Die Frauen und Männer, die vor uns lebten, kannten etwas, das wir heute dringend neu lernen müssen: die Balance zwischen Eigeninteresse und Gemeinwohl auszutarieren. Damit der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft, die Vernunft und die politische Verständigung gegeben sind und bleiben.
Sie wussten, wie man mit wenig auskommt und nutzen die vorhandenen Ressourcen, die der Wald, die Kleintierhaltung und die Gemüsegärten ihnen gab.
Sie wussten: ohne Gemeinschaft kein Überleben und trafen sich zum Austausch und Beisammensein in den Gaststätten. Ein respektvoller Umgang untereinander gehörte auch dazu. Selbstverständlich war nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Es gab auch die üblichen Streitereien in der Gemeinschaft, so wie heute. Persönliche Freiheit und Gemeinwohlorientierung stehen viel weniger in Widerspruch als man leichtsinnig glauben möchte.
Mit Mehrgenerationenhaus und Bürgerhäusern versuchen wir heute den Verlust der „Treffpunkte“ zu kompensieren.
Die Welt dreht sich weiter

Heute stehen wir wieder vor der nächsten großen Herausforderung, der Wärmewende. Das Ziel bis 2045 die Raumheizung der Haushalte CO2 frei zu machen und die Fossilen Brennstoffe durch Alternativen wie z.B. Wärmepumpe, Infrarot‑, elektr. Flächen- oder Pelletheizungen zu ersetzen, wird viele Hausbesitzer vor ungeahnte Probleme stellen. Neben der adäquaten technischen Lösung für jedes einzelne Gebäude, steht die Bezahlbarkeit der Maßnahmen im Fokus.
Die Auswirkungen der hohen CO2 Konzentration in der Atmosphäre, die sich über Wetter- Phänomen auf unseren Planeten zeigen, sehen und hören wir fast wöchentlich in den weltweiten Ereignis- und Schadensberichten der Radio- oder Fernsehstationen.
Auch wir in Hardenburg waren von Starkregenereignissen im Mai 2016, Mai 2018 und Juni 2018 mit den entsprechenden Folgen, wie vollgelaufenen Keller, Tiefgaragen und Murenabgängen bereits betroffen. Nichts tun gegen klimatische Veränderungen ist keine Handlungsoption.
Die Geschichte der Gaststätten in Hardenburg ist auch eine der ständigen Anpassungsbereitschaft, an klimatische Bedingungen, politische Umstände, wirtschaftliche Widrigkeiten, gewesen.
Darin liegt große Hoffnung: Auch wir können die uns auferlegten Herausforderungen bewältigen.
Das Waldfest erinnert genau daran, dass Menschen in einer lebendigen Gemeinschaft zu kreativen Lösungen für gesamtgesellschaftliche Probleme imstande waren.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.

